Anbauwürdigkeit von Körnerleguminosen als regionales Futtermittel im biologischen Anbau in Luxemburg
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| Foto: Prof. Dr. J. Hess |
Das Projekt LegoLux wird realisiert vom Institut für biologische Landwirtschaft und Agrarkultur Luxemburg (IBLA) in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet ökologischer Land– und Pflanzenbau (FÖL) der Universität Kassel und der Bio-Baueren-Genossenschaft Letzebuerg (BIOG) sowie mit finanzieller Unterstützung des Fonds National de la Recherche.
Als Körnerleguminosen bezeichnet man großsamige, meist einjährige Kulturarten der Familie der Schmetterlingsblütler (Leguminosae oder Fabaceae), die im Allgemeinen als Druschfrucht zur Gewinnung von proteinreichen Samen zur Human- und Tierernährung angebaut werden (Poetsch, 2006). Körnerleguminosen spielen demnach eine bedeutende Rolle für die globale Proteinversorgung. In Europa ist ein deutlicher Rückgang der Eiweißpflanzenerzeugung zu verzeichnen. Der Rückgang der Erzeugung von Körnerleguminosen in Europa in den letzen 10 Jahren beträgt 30 % ohne Sojabohne und 12 % mit Sojabohne (Häusling, 2010). In der EU werden derzeit 80 % des Eiweißpflanzenverbrauchs jährlich eingeführt und lediglich auf 3 % der Ackerfläche der EU werden Eiweißpflanzen erzeugt. Es wird v.a. Sojaextraktionsschrot aus Nord- und Südamerika importiert, was zu negativen Umwelteinflüssen, durch den langen Transport und die Umwandlung von natürlichen Habitaten (wie z.B. Regenwald) in Ackerland, führt. Letzteres wiederum führt zu erheblichen Einflüssen auf die Biodiversität, die Bodenqualität und das Klima (Altieri and Pengue, 2006). Zudem besteht ein hohes Vermischungsrisiko von gentechnisch verändertem Soja von Übersee mit nicht GMO-Soja aus Europa (Nowack Heimgartner et al., 2003). Die Erhöhung des Körnerleguminosenanbaus in Europa wäre eine gute Alternative um all diesen Probleme entgegen zu wirken. Auch die Europäische Kommission hat die Defizitsituation der Eiweißpflanzenerzeugung, welche v.a. auf in der Vergangenheit abgeschlossene internationale Handelsabkommen (Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen (GATT) und Blair-House-Abkommen) zurückzuführen sind, und den Handlungsbedarf diesbezüglich erkannt (Häusling, 2010).
Aufgrund ihrer Fähigkeit Stickstoff in Symbiose mit Knöllchenbakterien aus der Luft zu fixieren spielen Körnerleguminosen eine große Rolle v.a. für den ökologischen Landbau. Körnerleguminosen sind in der Lage dem Betriebskreislauf Stickstoff zurückzuführen. Demzufolge kann mit einem vermehrten Leguminosenanbau der Bedarf an Stickstoff-Düngemitteln aus fossilen Rohstoffen eingespart werden und somit die Treibhausgasemissionen, welche bei der energieaufwendigen Herstelllung von mineralischen N-Düngern auftreten, gesenkt werden. Körnerleguminosen haben zudem einen hohen Vorfruchtwert, verbessern die Bodenstruktur, führen zu einer Erhöhung des Bodenlebens und ihr tiefreichendes, ausgedehntes Wurzelsystem ist in der Lage Mineralstoffe, v.a. Phosphor aus den unteren Bodenschichten zu erschließen (Rühl et al., 2009).
In Luxemburg liegt die Anbaufläche von Körnerleguminosen im biologischen Anbau bei knapp 64,5 ha, das sind 4,7 % der biologisch bewirtschafteten Ackerflächen in Luxemburg (Statistik ASTA). Rund 20% des gesamten Körnerleguminosenanbaus in Luxemburg wird unter biologischen Anbaubedingungen angebaut und das bei einer biologisch bewirtschafteten Fläche von ca. 3 % der gesamten Landwirtschaftlichen Nutzfläche. Der Anbau von Körnerleguminosen hat auch in Luxemburg in den letzten Jahren stark abgenommen, so z.B. im biologischen Landbau von 9,4 % in 2002 auf 4,7 % in 2009 (Statistik bio-LABEL & Demeter). Demnach besteht auch in Luxemburg Handlungsbedarf und dies nicht nur aufgrund der essentiellen Rolle von Körnerleguminosen in der ökologischen Fruchtfolge, sondern auch um die Eiweißlücke und die Abhängigkeit von v.a. importiertem Sojaextrationsschrot (im konventionellen Landbau) aus Übersee zu verringern.
Das Projekt LegoLux „Anbauwürdigkeit von Körnerleguminosen als regionales Futtermittel im biologischen Anbau in Luxemburg“ setzt sich aus drei Teilen zusammen:
Die Anbaubedingungen unter luxemburgischen Verhältnissen und die Verwendbarkeit als regionales Futtermittel von Körnerleguminosen werden in einem Arten-Feldversuch (Sommerungen: Ackerbohne, Erbse, Blaue Lupine, Sojabohne; Winterungen: Ackerbohne, Erbse) auf einem luxemburgischen Bio-Betrieb geprüft. In Luxemburg werden bisher v.a. Sommerackerbohnen und Sommererbsen angebaut. Das Potenzial der anderen Kulturen und vor allem die vielen Vorteile, die die Winterungen mit sich bringen, sollen in der Arbeit näher beleuchtet werden, genauso wie die Qualität der einzelnen Arten zum Einsatz als Futtermittel. Auch auf das Potenzial der Sojabohne unter hiesigen Anbaubedingungen wird ein besonderes Augenmerk gelegt.
Des Weiteren wird eine agrarsoziologische Studie zum Thema regionale Futtermittel und Anbau von Körnerleguminosen auf den luxemburgischen Bio-Betrieben im Vergleich zu konventionellen Betrieben durchgeführt. Hierbei wird die Einschätzung der Landwirte zur aktuellen Situation des Körnerleguminosenanbaus, die Schwierigkeiten und Hemmnisse des praktischen Körenerleguminosenanbaus sowie die Quelle der Eiweißfuttermittel ermittelt.
Mit den Ergebnissen aus dem Arten-Versuch und der agrarsoziologischen Umfrage können Empfehlungen für den zukünftigen Körnerleguminosenanbau als regionales Futtermittel in Luxemburg gegeben werden.
Ein weiterer Aspekt des Projektes ist ein Exaktversuch auf dem Lehr- und Versuchsbetrieb, der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen des Fachgebiet ökologischer Land– und Pflanzenbau der Universität Kassel, in welchem die Eignung verschiedener kommerziell verfügbarerer Bradyrhizobien-Präperate zur Impfung von Sojabohnen getestet wird. In Symbiose mit Knöllchenbakterien (im Falle der Soja sogenannte Bradyrhizobien) besitzt die Sojabohne, wie eingangs erwähnt, die Fähigkeit Stickstoff aus der Luft zu fixieren und so erheblich höhere Erträge zu erzielen, ohne Stickstoff-Düngung, als ohne diese Symbiose. Diese Knöllchenbakterien sind artspezifisch und die der Sojabohne (Bradyrhizobien) sind in Europa nicht von Natur aus in den Böden vorhanden. Daher werden die Samen der Sojabohne vor der Aussaat geimpft. Dieser Projektbereich ist ein Zusatzprojekt zu dem Forschungsprojekt: “Ausweitung des Öko-Sojaanbaus in Deutschland durch züchterische Anpassung und pflanzenbauliche Optimierung“ im Rahmen des „Bundesprogramm zur Förderung der Ökologischen Landbaus und anderen Formen der nachhaltigen Landwirtschaft“. Projektpartner sind das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) Deutschland und FiBL Schweiz, der Sojaförderring am Landwirtschaftlichen Technologizentrum Augustenberg, die Hochschule Osnabrück, die Georg-August Universität Göttingen, das Institut für Resistenzforschung und Stresstoleranz am Julius Kühn Institute, Life Food GmbH, Naturland, die Universität Hohenheim und die Universität Kassel.
Altieri M., Pengue W. (2006): GM soybean: Latin America´s new colonizer. Seedling. http:/www.grain.orgf/seedling (January 2006)Freyer B., Pietsch G., Hrbek R., Winter S. (2005): Futter- und Körnerleguminosen im biologischen Anbau. Landesverlag Druckservice, Linz.Häusling M. (2010): Entwurf eines Berichtes zum Eiweißmangel in der EU: Wie last sich das seit langem bestehende Problem lösen? Europäisches Parlament. Nowack Heimgartner, K., Bickel, R.,Wyss, E. (2003): Biolandbau und Gentechnik. So bleibt der Biolandbau gentechnikfrei. FiBL Dossier. Forschungsinstitut für biologischen Landbau. Frick.Nemecek T., von Richthofen J-S., Dubois G., Casta P., Charles R., Pahl H. (2008): Environmental impacts of indroducing grain legumes into European crop rotations. Europ. J. Agronomy 28 (2008) 380-393.Poetsch J. (2006): Pflanzenbauliche Untersuchungen zum ökologischen Anbau von Körnerleguminosen an sommertrockenen Standorten Südwestdeutschland.Rühl G., Bramm A., Greef J. (2009): Aspekte des Anbaus von Körnerleguminosen. Journal für Kulturpflanzen, 61 (9). S. 312-317, 2009. Verlag Eugen Ulmer KG, StuttgartStemann, G., N. Lütke Entrup, 2001: Fruchtfolgen mit Leguminosen: Effizient und kostensparend. Raps 19 (4), 200-207.
Projektpartner:

Mit finanzieller Unterstützung vom:

Kontakt: Steffi Zimmer, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. , Tél.: +352 26 25 13 84







